Das Rohatsu fin­det je­des Jahr um den 8. De­zem­ber in vie­len Zen-Zen­tren auf der gan­zen Welt statt und ist ein sehr in­ten­si­ves Sess­hin. Ire­ne Ale­gría tal cuál es Es­pi­no­sa, ei­ne der spa­ni­schen Me­di­ta­ti­ons­lei­te­rin­nen, nahm zum ers­ten Mal dar­an teil und be­schrieb ih­re Eindrücke.

Was machst du im Rohatsu?

Ge­dan­ken und Ein­drü­cke von Ire­ne Ale­gría tal cuál es Espinosa

Im Zen­do
Die Stil­le und Ent­schlos­sen­heit der Teil­neh­mer, die Far­ben, eins zu sein mit al­len, ge­tra­gen von der En­er­gie, die ent­steht, drin­nen, drau­ßen … … von den Schmer­zen in mei­nen Bei­nen … im­mer tie­fe­ren Einsichten.

Die Mahl­zei­ten
Ein Fest für die Sinne.
Der Klang des Gongs, der uns in den Spei­se­saal ruft,
der wür­zi­ge Es­sens­ge­ruch beim Ver­las­sen des Zendo,
der Raum, der sich mir mit den Ōryō­kis öffnet,
die Auf­merk­sam­keit, die Aro­men und das Mund­ge­fühl des Essens.

Schla­fen
Das of­fe­ne Fens­ter und das Ge­räusch der Bäu­me, des Win­des, des Regens.
Die in­ten­si­ve, hei­len­de Wär­me un­ter der Bettwäsche.
We­ni­ge Stun­den, viel Ruhe.

Spa­zier­gän­ge
Je­der Tag ein Geschenk.
Erst son­ni­ge und kal­te Ta­ge, an de­nen die Son­ne sich Mü­he ge­ben muss, um ei­nen Platz zwi­schen den lan­gen Schat­ten der Bäu­me zu finden.
Dann be­de­cken Ne­bel und Frost al­les mit Weiß.
Ei­nen Tag spä­ter leich­ter Re­gen und mit glit­zern­den Trop­fen be­deck­tes Gras.
Ei­nes Mor­gens ein über­ra­schen­der Re­gen wei­cher und lang­sa­mer Blätter.
Und im­mer am En­de des Kin­hin-Pfa­des traf mich der Baum wie ei­ne of­fe­ne Hand zum Himmel.

San­zen
Auf­pas­sen, auf­sprin­gen schnell zum Aus­gang und vol­ler Auf­merk­sam­keit im War­te­zim­mer .…… al­les ist möglich.
Ji­un Ro­shis Ge­duld, ih­re Auf­merk­sam­keit und ihr klei­ner Hund er­fül­len mich mit Freu­de: ermutigend.

Das gan­ze Haus, die Be­woh­ner und die Um­ge­bung hel­fen uns.

Vie­len Dank.

Ich ha­be wäh­rend der “Nacht­sit­zung” ein Ge­schenk bekommen.

Ich ging sehr mü­de ins Bett und hat­te nicht die Ab­sicht hin­un­ter­zu­ge­hen. Als ich be­reits in mei­nem schö­nen und war­men Bett war, er­in­ner­te ich mich dar­an, was Ji­un Ro­shi über Man­jushri ge­sagt hat­te und frag­te den Bo­dhi­satt­va und al­le an­de­ren “ge­seg­ne­ten See­len” (so sag­te mei­ne Mut­ter, als ich noch klein war):

Ich bin so mü­de, aber wenn ich an­fan­ge, et­was zu ver­ste­hen, in­dem ich die­se Nacht me­di­tie­re und mei­nem Kör­per da­mit nicht zu­set­ze, hilf mir dann auf­zu­wa­chen und zu sitzen.”

Und nach nur an­dert­halb Stun­den Schlaf war es erst zehn nach zwölf. Ich wach­te aus­ge­ruht auf und war be­reit. Ich zog mich an, ging die Trep­pe hin­un­ter und saß ei­ne Wei­le im San­zen­raum, wo ich ein mit Buch­wei­zen ge­füll­tes Kis­sen aus­pro­bie­ren konn­te, das här­ter war als das Kis­sen, das ich bis da­hin be­nutzt hat­te und das ich wei­ter­hin benutzte.

Die Grup­pe kam aus dem Zen­do, ich trank Kaf­fee mit ih­nen und aß reich­be­leg­te Cra­cker, wir me­di­tier­ten und in die­ser Nacht ta­ten mei­ne Bei­ne nicht weh, ich war nicht mü­de und am nächs­ten Tag fühl­te ich mich gut und brauch­te nicht mehr als ei­ne Stun­de, um mich auszuruhen.

Ein “Ge­schenk”, und ich hat­te auch et­was verstanden .….

Noch ein­mal: Danke.

(aus dem Nie­der­län­di­schen über­setzt von San­dra Möller)

Quel­le: Wat doe je in een Rohatsu?, Zen­Le­ven Früh­jahr 2020