Jolinda Daishin van Hoogdalem schreibt über Haiku und andere japanische Dichtung. Sie verfasst selbst regelmäßig Gedichte, darunter auch Haikus. Die Natur und Zen sind dabei ihre große Inspiration. In ihrem täglichen Leben arbeitet Daishin als Akupunktur- und Massagetherapeutin. Seit einigen Jahren leitet sie die Body-and-Mind-Wochenenden auf Noorder Poort und begleitet Menschen im Zenleven-Thuis-Trajekt.

NK – Gifu, Japan
Haiku – Frühling
Der Frühlingsbeginn ist ein beliebtes Thema der Haiku-Dichter.
Sah ich eine Blüte
zu ihrem Zweig zurückkehren?
Es war ein Schmetterling!
zu ihrem Zweig zurückkehren?
Es war ein Schmetterling!
Arakida Moritake 1472–1549
Spinnweben
Regenbogenschimmern
in der Frühlingssonne.
Regenbogenschimmern
in der Frühlingssonne.
Arakida Moritake 1472–1549
Farnzweige
trägt der Jäger im neuen Jahr
an seinen Pfeilen.
trägt der Jäger im neuen Jahr
an seinen Pfeilen.
Er stößt das Nordtor auf
und es wird Frühling.
und es wird Frühling.
(3. Und 4. Strophe aus dem Kettengedicht (renga) „Winterschauer“)
Das Schreiben von Kettengedichten war ein beliebtes Spiel unter den Dichtern zur Zeit Baschòs (1644 – 1694). Ein Dichter begann mit drei Eröffnungszeilen, ein zweiter Dichter schrieb zwei Fortsetzungszeilen. Dann der nächste wieder drei Zeilen usw. So entstand das Gedicht. Die letzten zwei Zeilen dieses Gedichts werden Baschò zugeschrieben. Später wurden die ersten drei Zeilen ein eigenständiges Haiku.
Farne sind uralte Pflanzen, die jedes Jahr wiederkommen. In Japan symbolisieren sie Neuanfänge und Widerstandskraft. Der Jäger setzt sie auf seinen Köcher für eine erfolgreiche neue Jagdsaison. Das Nordtor ist nach Norden gerichtet, woher die Kälte kommt. Meistens ist es die Hintertür. Im Winter sollte sie geschlossen sein, um die Kälte draußen zu halten. Aber wenn der Frühling anbricht und der Wind in den wärmeren Süden dreht, kann man sie öffnen.

Gert Ryokan Bremer: Klatschmohn

30 April, 5 Uhr 45, Noorder Poort, Frühling
Baschò wird oft als umherziehender Zen-Mönch dargestellt, aber Jos Vos stellt dies in seinen Haiku von Matsuo Baschò in Frage. Baschò sah sich selbst als Wanderer aber nicht als Mönch. Vos zitiert ihn: „Einmal hatte ich vor, in ein Kloster einzutreten. Und doch lasse ich mich ziellos wie eine Wolke vom Wind umhertreiben und widme all meine Energie der Beschreibung von Vögeln und Blüten.“
Frei und fröhlich umherschweifen. Das ist auch der Titel des ersten Kapitels der Schriften von Zhuang Zhi, einem bekannten taoistischen Wanderer aus China.
Frei und fröhlich umherschweifen. Das ist auch der Titel des ersten Kapitels der Schriften von Zhuang Zhi, einem bekannten taoistischen Wanderer aus China.
Denselben freien Geist finden wir nicht nur in Baschòs Haiku, sondern auch im „modernen“ Santoka Taneda (1882–1940). Tanedas Leben war nicht einfach und war gezeichnet durch den Selbstmord seiner Mutter und seines Bruders. Das trieb ihn in die Hände von Sake und dem Wunsch nach dem Tod. Er wurde vor einem Selbstmordversuch gerettet und in ein Zen-Kloster gebracht. Dort wurde er ohne Fragen und Beurteilungen liebevoll aufgenommen. Er wurde schließlich Mönch, Unsui, mit Namen Wasserwolke. Aber er blieb nicht im Kloster. Er wurde ein Wandermönch.
Sate dochira
E iko kaze ga fuke
E iko kaze ga fuke
Und in welche Richtung soll ich gehen?
Wohin der Wind weht.
Wohin der Wind weht.
Er wurde freier und freier:
Asa tsuyu
shiitore ikita
i ho en iku
shiitore ikita
i ho en iku
Nass vom Morgentau
geh ich in jede Richtung,
die mir gefällt.
geh ich in jede Richtung,
die mir gefällt.
Die Ereignisse auf dem Weg sind klein und einfach, wie es in einem stillen Geist der Fall ist, der bei dem bleibt, was ist.
Kasa e pottori
Tsubaki dataa
Tsubaki dataa
Oh, eine Kamelie
sprang einfach weg
von meinem Mönchsgewand.
sprang einfach weg
von meinem Mönchsgewand.
Wenn du Ende Mai am Frühjahrstraining auf Noorder Poort teilnimmst, öffne die Hintertür weit und lass den warmen Südwind durch dich hindurch wehen. Frei, sich nirgendwo festhaltend, nirgendwo bleiben. Der Frühling ist gekommen.

Nördlicher Kinhin-Pfad – Noorder Poort 2025
Quellen:
Mountain Tasting, zenhaiku bij Santoku Taneda, introduction and translation by John Stevens, Wheater Hill, NY, 1982
Matsuo Basho, Verzamelde haiku’s, vertaald en van commentaar voorzien door Jos Vos, Atheneum 2023
Mountain Tasting, zenhaiku bij Santoku Taneda, introduction and translation by John Stevens, Wheater Hill, NY, 1982
Matsuo Basho, Verzamelde haiku’s, vertaald en van commentaar voorzien door Jos Vos, Atheneum 2023
(Übersetzt aus dem Niederländischen von Marie Louise Linder)
Quelle: Haiku – Lente aus ZenLeven Frühjahr 2026
