Die Routen beim Start des Friedensmarsches (Peacewalk)

Die Rou­ten beim Start des Frie­dens­mar­sches (Peace­walk)

Als nichts mehr zu helfen schien

von Ten­jo Roshi

Es ist deut­lich. In den Nach­rich­ten le­sen wir Be­rich­te, die uns be­trübt ma­chen. Po­la­ri­sie­rung, In­to­le­ranz, Ego­is­mus, Ver­här­tung. Über uns hängt — wie ei­ne dro­hen­de Wol­ke der Zer­stö­rung un­se­res Le­bens­rau­mes — die Kli­ma­kri­se. Wir kön­nen weg­schau­en und wei­ter ma­chen mit un­se­ren all­täg­li­chen Sor­gen, in De­pres­si­on ver­fal­len, oder an­fan­gen uns zu fra­gen, was wir tun können.
Die letz­te Fra­ge lässt sich viel­leicht schnell be­ant­wor­tet mit: „Das ist so groß, dar­an kann ich doch nichts än­dern.“ Aber ist dem auch so?!
Im Bud­dhis­mus ler­nen wir, dass al­les un­trenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den ist. Al­les ent­steht und ver­geht in ge­gen­sei­ti­ger Ab­hän­gig­keit. Wenn ein Schmet­ter­ling in der Sa­ha­ra mit den Flü­geln schlägt, kann es sein, dass wir hier die Fol­gen spü­ren. Wo hö­re ich auf und wo be­ginnt die/der An­de­re? Oder noch kon­kre­ter: Wo en­de ich und wo be­ginnt Trump? Der Zu­sam­men­hang und die Ver­bun­den­heit von al­lem ist für uns schwer zu be­grei­fen. Wir sind es ge­wöhnt, die Welt als aus un­ab­hän­gig von­ein­an­der be­stehen­den Tei­len an­zu­se­hen. Aber die­se auf­ge­split­te­te Welt ist nicht die gan­ze Wirklichkeit.
Die Fol­ge die­ser Zu­sam­men­hän­ge ist, dass ich ei­nen Bei­trag da­zu leis­te. Al­les was ich ma­che, wirkt sich aus auf das Gan­ze. Und das gilt für jede/n. Wir al­le zu­sam­men kre­ieren die Welt, so wie sie jetzt aus­sieht. Zwar be­deu­tet das nicht, dass wir nur an den Strip­pen zie­hen müs­sen, und die Welt rich­tet sich nach uns. Macht­ha­ber den­ken das sehr oft und wol­len es uns glau­ben ma­chen. Aber sie kön­nen ih­re Macht nur dann aus­üben, wenn die Men­schen ih­nen die Macht ge­ben. Frü­her oder spä­ter wer­den sie ge­stoppt, aber in der Zwi­schen­zeit kön­nen sie viel Leid ver­ur­sa­chen. Da­durch brau­chen wir uns nicht ver­wir­ren zu las­sen und müs­sen uns nicht dar­an fest­bei­ßen, son­dern wir soll­ten an un­se­rem ei­ge­nen Kurs fest­hal­ten. Letzt­end­lich wer­den die Po­li­ti­ker durch den Wil­len der Mas­se ge­steu­ert. Wel­chen Kurs willst du nehmen?

Peacewalk

Rik­ko Ver­burgh (Theo­lo­ge) hat sich für ei­ne in­ter­re­li­giö­se Frie­dens­be­we­gung ein­ge­setzt. Die Ver­söh­nung zwi­schen ei­ni­gen Is­rae­lis und Pa­läs­ti­nen­sern hat­te ihn be­rührt. Nach dem An­schlag am 7.Oktober 2023 durch die Ha­mas sank ihm das Herz in die Ho­se. Frie­den zwi­schen den bei­den Be­völ­ke­rungs­grup­pen schien mei­len­weit ent­fernt zu sein. Was konn­te er tun? Die Idee ei­ner Pil­ger­rei­se nach Je­ru­sa­lem dräng­te sich ihm auf. Aber wie?!
In­dem man sich der In­ter­na­tio­na­len Frie­dens­be­we­gung The Je­ru­sa­lem Way, die ei­ne sol­che Pil­ger­rei­se an­bot, an­schloss, konn­te man sich mit ver­schie­de­nen lo­ka­len Grup­pen in Eu­ro­pa zu­sam­men­tun. Es ent­stand der Plan, Men­schen aus ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Län­dern (u.a. Spa­ni­en, Frank­reich, Bel­gi­en, Nie­der­lan­de, Deutsch­land, Po­len) soll­ten sich auf ei­ne „Pil­ger­rei­se für Frie­den“ nach Je­ru­sa­lem be­ge­ben. Ab Sa­ra­je­vo soll­ten sich dann al­le Grup­pen zu­sam­men­fin­den. In­zwi­schen ist es so weit: Die ers­ten Pil­ger zo­gen am 31. Ja­nu­ar 2026 von Fi­nis­ter­ra in Spa­ni­en los. Am 25. April ist ei­ne nie­der­län­di­sche Grup­pe von Ams­ter­dam aus über Arn­heim nach Nim­we­gen gestartet.
Von Arnheim nach Nimwegen

Von Arn­heim nach Nimwegen

Ich bin zwei Etap­pen mit­ge­wan­dert, von Wa­gen­in­gen nach Arn­heim, zu­sam­men mit 158 Teil­neh­men­den, und von Arn­heim bis Nim­we­gen mit 256 Teil­neh­men­den. Das Schö­ne an so ei­nem Marsch ist, dass man mit so vie­len Men­schen zu­sam­men ist, die das The­ma „Frie­den“ in sich tra­gen. Und es ist auch nicht be­grenzt auf die Men­schen, die mit­wan­dern, denn es gibt auch die Leu­te, die bei der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hol­fen ha­ben, die Men­schen, die uns auf dem We­ge sa­hen oder über den Marsch ge­le­sen hat­ten. Ent­lang der gan­zen Rou­te wa­ren Leu­te, die uns Mut mach­ten, uns in den Pau­sen mit Es­sen und Trin­ken ver­sorg­ten, die uns bei der An­kunft ein Pro­gramm mit Mu­sik bo­ten und uns mit herz­li­chen Wor­ten zum The­ma Frie­den be­grüß­ten. Dies al­les zu­sam­men hin­ter­ließ ei­nen Ein­druck von der Welt und uns selbst.
Wir wur­den zu Be­ginn des Mar­sches von Rik­ko er­mun­tert, uns un­ter­wegs auf Frie­den zu be­sin­nen und nach­zu­spü­ren, was wir per­sön­lich da­bei zu ler­nen hät­ten. Je­den Tag be­ka­men wir ei­ne Fra­ge mit auf den Weg. Zwi­schen Wa­gen­in­gen und Arn­heim lau­te­te die Fra­ge: „Was darf es kos­ten?“ Ei­ne schö­ne Fra­ge, mit der ich da ge­wan­dert bin. Ich kam dar­auf, dass Kos­ten und Nut­zen im Gleich­ge­wicht sein soll­ten, so wie Ge­ben und Neh­men. In der Na­tur sieht man es auch sehr schön. Sie ist ein Kreislauf.
Un­ter­wegs sprach ich mit je­man­den, der mit sei­ner Fa­mi­lie in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft lebt, in der elf Zim­mer für ob­dach­lo­se Müt­ter mit ihrem/n Kind/ern im Ge­bäu­de re­ser­viert sind. Sie le­ben zu­sam­men. Re­gel­mä­ßig hilft er den Frau­en und Kin­dern und setzt sich für sie ein. Er merkt, dass er sich er­schöpft fühlt und dass es viel­leicht un­nö­tig sei. Er meint, dass er ein­fach nur da sein müss­te und nur die Din­ge er­le­di­gen soll­te, die auf der Hand lie­gen. Dar­aus be­zieht er Kraft, und das ist viel­leicht die bes­te Hil­fe, die er leis­ten kann; ein­fach da sein. Dies er­scheint mir als gu­tes Bei­spiel für ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Ge­ben und Neh­men. Wir emp­fan­gen täg­lich Es­sen, Trin­ken, Wär­me und Luft, und wir kön­nen uns fra­gen, wo­für wir die En­er­gie die wir er­hal­ten, nut­zen. Wenn wir in Noor­der Po­ort es­sen, re­zi­tie­ren wir vor­her u. a. die „drei Bissen“:
Den ers­ten Bis­sen neh­me ich, um al­les Übel loszulassen.
Den zwei­ten Bis­sen neh­me ich, um al­les Gu­te zu tun.
Den drit­ten Bis­sen neh­me ich, um al­le We­sen zu befreien.
Lasst uns al­le den Bud­dha-Weg gehen.
Was ist das Übel, was ist das Gu­te, was be­deu­tet es, We­sen zu be­frei­en und den Bud­dha-Weg zu ge­hen? Das sind wich­ti­ge Fragen.
Jo­an­na Ma­cy, ei­ne be­kann­te bud­dhis­ti­sche Leh­re­rin, gab als Ant­wort auf die Fra­ge, was wir am bes­ten ge­gen den Kli­ma­wan­del tun kön­nen: „Just show up!“ – „Zei­ge, dass du da bist!“ Der Peace­walk ist ei­ne Mög­lich­keit um uns zu zei­gen und von uns hö­ren zu lassen.

Aktion „in Stille“

Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit sicht­bar zu wer­den, ist die „Ak­ti­on in Stil­le“. Je­den zwei­ten Sonn­tag im Mo­nat wird in ca. 20 Städ­ten in den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en von 12.00 – 12:30 ei­ne hal­be Stun­de lang im Frei­en me­di­tiert mit dem Haupt­au­gen­merk auf Acht­sam­keit und Mit­ge­fühl für die Welt und all ih­re Bewohner.
Aktion „in Stille“, Leuwaarden im Dezember 2025

Ak­ti­on „in Stil­le“, Leu­waar­den im De­zem­ber 2025

Als ich hier im vo­ri­gen Jahr erst­mals da­von hör­te, stieß die Idee, drau­ßen in der Öf­fent­lich­keit zu me­di­tie­ren, auf gro­ßen Wi­der­stand bei mir. Trotz­dem be­schloss ich, ein­mal so ei­ne Me­di­ta­ti­on in Lee­u­war­den zu organisieren.
Die­ser Wi­der­stand, den ich über­win­den muss­te, ver­schwand so­fort, als wir uns hin­setz­ten. Wir hat­ten ei­ne schö­ne Wie­se in der Nä­he des Haupt­bahn­hofs ge­fun­den. Die Leu­te ge­hen dort hin und her. Ver­kehr und Be­trieb­sam­keit an uns vor­bei. Ich war er­staunt, wie leicht ich mei­ne Auf­merk­sam­keit nach In­nen rich­ten konn­te, auf die La­ge, in der die Er­de und ih­re Be­woh­ner sich be­fin­den, wie ich mich selbst da­zu ver­hal­te und wie ich die Ge­füh­le und Ge­dan­ken wahr­nahm, die sich ein­stell­ten. Letzt­end­lich brach­te es mich in Ver­bin­dung mit der Ba­sis, von aus der al­les ent­steht und wo­hin es wie­der zu­rück­kehrt. Die un­ge­teil­te Wirk­lich­keit, in der al­les mit­ein­an­der ver­bun­den ist. Die Din­ge kom­men und ge­hen: Die Be­trieb­sam­keit der Stadt, die Ak­ti­vi­tä­ten, von de­nen wir uns so stres­sen las­sen, die jet­zi­ge Si­tua­ti­on der Er­de.… Al­les ist end­lich, aber es gibt auch et­was, was bleibt und im­mer weitergeht.
In der Nach­be­spre­chung, die wir am En­de im­mer ma­chen, schie­nen al­le Teil­neh­men­den die­se Me­di­ta­ti­on als sehr wert­voll er­fah­ren ha­ben. Wir fühl­ten uns mit­ein­an­der und mit der Er­de ver­bun­den. Ei­ne mo­nat­li­che Wie­der­ho­lung er­schien uns sinn­voll, um uns be­wusst zu wer­den: „Was ist mein Bei­trag für die Erde?“
Die Men­schen, die vor­bei gin­gen, wur­den mit der Stil­le kon­fron­tiert, als sie uns sa­hen. Re­gel­mä­ßig blie­ben sie kurz ste­hen und la­sen die In­for­ma­tio­nen, war­um wir dort sit­zen. Das macht uns Mut und flößt uns Ver­trau­en ein.

Eine Minute Stille

Es gibt noch ei­ne schö­ne In­itia­ti­ve, der man sich an­schlie­ßen kann. Men­schen aus ver­schie­de­nen Län­dern tei­len mit­ein­an­der ei­ne ein­fa­che, aber kraft­vol­le Ges­te: je­den Tag ei­ne Mi­nu­te lang be­wusst in Acht­sam­keit zu­sam­men­zu­kom­men – im Ge­bet, in Stil­le oder durch ei­ne be­wuss­te Ab­sicht. Auf der gan­zen Welt neh­men sich Men­schen je­den Tag ei­ne Mi­nu­te Zeit, um ihr Herz für Frie­den zu öff­nen. Ei­ne Mi­nu­te, in der wir un­se­re Auf­merk­sam­keit rich­ten auf: Si­cher­heit, Har­mo­nie und Schutz für al­le Län­der und al­le Men­schen der Er­de. Be­wusst­sein be­sitzt gro­ße Kraft, und mit­ein­an­der wird die Kraft wach­sen. In je­dem Land ist es ein an­de­rer Zeit­punkt we­gen der ver­schie­de­nen Zeit­zo­nen. In den Nie­der­lan­den ist es 16:00 Uhr. Man kann sich den We­cker im Han­dy ein­stel­len, um dar­an er­in­nert zu werden.

Müll aufräumen

Was auch vie­le Men­schen ma­chen und was nie­der­schwel­lig ist, ist Müll einsammeln.
Du kannst ei­nen be­stimm­ten Be­reich in dei­ner Um­ge­bung sau­ber hal­ten, oder Müll, der im öf­fent­li­chen Raum her­um­liegt, z. B. bei ei­ner Wan­de­rung, mit­neh­men. Bei mir ge­gen­über be­fin­det sich ein un­ter­ir­di­scher Müllcontainer.
Hier wird stets Ab­fall da­ne­ben ge­stellt und von den Vö­geln auf­ge­ris­sen. Ich ha­be den Con­tai­ner „ad­op­tiert“ und be­kom­me von der Ge­mein­de Ge­rät und ei­nen Aus­weis, dass ich falsch ab­ge­stell­ten Ab­fall ent­sor­gen darf. Für mich ist das me­di­ta­tiv und gibt das Ge­fühl von „Gu­tes tun“. Es räumt gleich­zei­tig mich und die Um­ge­bung auf.

Zum Schluss

Dies sind Bei­spie­le für Ak­ti­vi­tä­ten, die mich an­spre­chen. Es ist na­tür­lich viel mehr mög­lich, um ei­nen po­si­ti­ven Be­trag zu leis­ten. Es hilft, um ins Tun zu kom­men, wenn du dich ohn­mäch­tig fühlst, an­ge­sichts all des­sen, was in der Welt pas­siert. Es hängt von dei­nen Mög­lich­kei­ten ab, wel­che Wahl du triffst. Die kleins­te Klei­nig­keit trägt zu ei­nem lie­be­vol­len Zu­sam­men­le­ben bei, in dem
Men­schen glück­lich sein können.
(Aus dem Nie­der­län­di­schen über­setzt von Ma­ria Fröh­lich und Do­ris Behrens)

Quel­le: Als niets li­jkt te hel­pen aus Zen­Le­ven Früh­jahr 2026